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9. Etappe: Quer durch die USA nach Baltimore, 21. März - 04. April 2020

Vier Tage – vier Bundesstaaten

Verbundenheit

Die Zeit vergeht wie im Fluge. Die Resonanz auf unseren letzten Post war enorm, sehr anteilnehmend und bestärkend. Obwohl uns einige tausend Kilometer von zu Hause trennen, ist die Verbundenheit von dort überwältigend. Auch die neu geknüpften Kontakte in den Vereinigten Staaten und Kanada, sowie zur Costa-Rica-Gruppe blieben lebendig. Wir spüren all diese Tragkraft täglich aufs Neue und sind dankbar dafür. 

Unterwegs zurück an die Ostküste

An einem Samstag starteten wir von San Diego aus Richtung Ostküste. Die Straßen der Stadt waren leerer als sonst. Lag es am Wochenende oder an Tag 1 der Ausgangssperre in Kalifornien?

Die Fahrt durch den Bundesstaat Richtung Colorado River führte uns abseits der Autobahnen durch eine faszinierende Gebirgslandschaft. Die Campgrounds machten einen überwiegend unbelegteren Eindruck als noch vor Tagen. Für die erste Nacht erhielten wir ausnahmsweise noch Zutritt auf das von uns gewählte Zwischenziel am Colorado.

Am Sonntag ging es dann quer durch Arizona, wenig Autoverkehr, kaum Menschen auf den Straßen. Wir überquerten etliche Höhenzüge und fuhren über schier unendliche Hochebenen. Die Temperatur in den Bergen ließ uns nach einer südlicheren Route Ausschau halten, nach dem wir am zweiten Abend in einem Waldcampground Unterschlupf gefunden hatten und etwas Schnee die Seitenränder der Straßen bis dahin säumte.

Nach der Bergtour folgte wieder ein langes Hochplateau, Wüste und ein reizvolles Lavafeld. Im Valley of Fire fanden wir unsere dritte Übernachtungsmöglichkeit auf einem Stellplatz, nun bereits im Bundesstaat New Mexico. Der Autoverkehr war sehr gering. Lag es an der Ausnahmesituation oder an der von uns gewählten Nebenroute?

Auf Abstand bedacht

Alle Parks, öffentliche Einrichtungen, Restaurants und viele Geschäfte sind geschlossen, Tankstellen und Lebensmittelgeschäfte geöffnet. Restaurants, sofern geöffnet, bieten nur Mitnahmegerichte an. Die Menschen sind größtenteils auf Abstand bedacht, manche tragen Handschule beim Hantieren mit Geld, andere zeigen sich eher unbeeindruckt von der Corona-Pandemie.

Die Grenzüberquerung nach Texas bemerkten wir zunächst nicht. Bereits seit New Mexico waren die Tagestemperaturen wieder bei angenehmen 20 Grad Celsius und höher. Strahlend blauer Himmel, eine erblühende Wüste und die mit Ölpumpen gespickte Steppe und die nun vermehrt zu sehenden Ranchtore waren unsere Begleiter.

Bangen und hoffen

In der Zwischenzeit war auch die Schiffsbuchung bestätigt worden. Am 6.4. muss unser Amigo im Hafen von Baltimore abgegeben werden. Saradevi buchte für uns zwei Hotelübernachtungen, von denen wir noch nicht wissen, ob diese aufgrund der weiteren Pandemieentwicklung in den Vereinigten Staaten noch kurzfristig modifiziert werden müssen. Gleiches gilt für unseren Flug ab Baltimore über Atlanta am 8.4. Man munkelt, dass alle Inlandsflüge in Nordamerika eingestellt werden…

Wir bleiben guten Mutes. Täglich werden wir 400 – 500 Kilometer weit fahren und uns flexibel auf die Gegebenheiten einstellen. Heute Nacht stehen wir am Rand einer Freizeitanlage mit geöffnetem Toilettenhäuschen. Die drei von uns zuvor angefahrenen RV-Parks konnten keine Sanitärräume (mehr) anbieten. Die Internetverbindung ist passabel. Wir schreiben Tagebuch und arbeiten an unseren Blogbeiträgen. Und hoffen, dass der Sheriff uns hier nicht wegjagt…

Campbell, 25.03.2020

Wir freuen uns auf den Austausch mit dir...

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Ute Urban

    Hallo. ihr Lieben!

    Heute ist unser süßes Pfaz-Kind ausgezogen in seine neue Dauerpflegefamilie.
    Ich bin gar nicht so traurig, weil ich das Gefühl habe, sie hat dort ihren Platz gefunden und wir durften sie ein Stück ihres Weges begleiten. Fast 16 Monate war sie bei uns und hat sich in dieser Zeit unwahrscheinlich toll entwickelt. Das zu erleben, war ein Geschenk.
    Jetzt mache ich erstmal Kinderpause bis der ganze Coranascheiss vorbei ist.
    Drei Anfragen habe ich schon abgesagt. Die Jugendämter sind wohl gerade in Not, da die häusliche Gewalt steigt.

    Ich habe genug zu tun in Haus und besonders Garten und natürlich Musik machen.

    Alles was ich von hier über die USA lese, klingt ziemlich verheerend.
    Kommt gut nach Hause und passt auf euch auf!

    Fühlt euch umarmt

    Ute

    1. saradevi

      Liebe Ute,
      wie schön, von dir zu lesen. Es ist sicher eine der Sternstunden, ein Kind gut gehen lassen zu können, in dem Bewusstsein, dass eine gute Perspektive gefunden wurde. 16 Monate ist schon eine lange Zeit für ein so junges Kind. Wie schön, dass du es als Geschenk erleben kannst. Ich habe immer wieder erlebt, dass Kinder mir erzählt haben, dass sie zwischendurch in Bereitschaftspflege waren. Sie haben mir Bilder gezeigt und konnten sich manchmal noch ein Erlebnisse und besondere Ereignisse wie Geburtstage, Urlaube … erinnern. Eure Arbeit ist so wertvoll.
      Ich verstehe gut, dass ihr eine Pause einlegt, insbesondere in diesen besonderen Zeiten.
      Ihr seid hoffentlich alle gesund und munter?
      Wir bekommen hier auf unserem Weg über die Dörfer nicht so sehr viel mit – soviel hat sich nicht verändert. Lebensmittelläden haben weiter geöffnet, Restaurants haben überwiegend auf take away umgestellt, aber auf. Lediglich kleinere Citys wirken verweist, durch die sind wir seit Tagen aber nur selten gekommen.
      Es ist dann jedesmal wie ein erinnern, dass alles anderes ist. Die Menschen hier reagieren sehr unterschiedlich – von auf geregt bis völlig gelassen. In San Diego wurde jeder Einkaufswagen desinfiziert. In den letzten Tagen habe ich viele Menschen ohne Schutz in den Lebensmittelläden angetroffen.
      Viel Freude am Garten und beim Musizieren und liebe Grüße an die Family
      sa & auch ma

  2. Klaus overbeck

    Hallo Ihr Lieben,

    sitze gerade mit Susanne auf der Terrasse in der Sonne und habe an Euch gedacht.
    Euer letzter Bericht gibt das wieder, was wir über die Medien aus den USA , hören und sehen.

    Hoffe, dass Euer Zeitplan für die Rückkehr , so wie geplant , umsetzbar ist.

    Noch einen guten Weg und kommt gut nach Hause.

    Freuen uns auf Euch.

    Alles Gute und bleibt gesund
    Susanne und Klaus

    1. saradevi

      Lieber Klaus,
      ein schönes Bild vor meinem geistigen Auge, euch auf der Terrasse sitzen zu sehen. Genießt das schöne Wetter. Es wird in den nächsten Tagen ja wieder kühler – bei uns übrigens auch. Wir machen heute einen Tag Pause, da es der letzte Tag bei Temperaturen um die 28 Grad sein soll.
      Hier in den USA spitzt sich die Situation sicher in den nächsten Wochen noch sehr zu. Wir hoffen, dass sich unser Plan bis dahin so umsetzen lässt. Bislang haben wir keine Mails erhalten, dass etwas abgesagt ist. Lediglich im Hafenbüro sollen wir uns die Tage melden. Dort wird wohl nicht mehr an allen Tagen gearbeitet. Aber das ist ja kein Problem. Montag morgen werden wir uns mit denen in Verbindung setzen.
      Die Vorstellung, dass wir heute in zwei Wochen schon in der Heimat sind, ist irgendwie abwegig und irreal. Trotzdem gehen wir fest davon aus, dass alles gut klappen wird.
      Und dann sitzen wir sicher bald wieder gemeinsam auf eurer Terrasse und spielen Doppelkopf – wie in alten Zeiten!!!
      Liebe Grüße an euch zwei und den Rest der Familie.
      Bleibt gesund und zuversichtlich
      sama

  3. Reiner Welz

    Ihr Lieben,
    auch wenn wir uns täglich „begegnen“, wollen Vero und ich Euch auf diesem Weg noch einmal „cross the fingers“ zurufen.
    Wir haben zwei unterschiedliche Wege gesucht und gefunden, um mit diesem Covid-19 Einschnitt in unser Reiseleben fertig zu werden. Auf Eurem wünschen wir Euch alles erdenklich Positive. Ihr wisst, wie Ihr uns erreichen könnt.
    Haben Euch einen anderen Verlauf Eurer Reise gewünscht!

    Bis nach der Krise, irgendwann, irgendwo…
    Über unseren gemeinsamen „Kanal“ lassen wir Euch unsere Heimatadresse zukommen. Ihr seid „fast“ immer willkommen.
    Ganz liebe Grüße aus Arizona
    Vero und Reiner