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Stadtimpression Mürefte

Wir erreichen Istanbul

Überwiegend abseits der Autobahn…

fahren wir vorbei an einer endlos scheinenden Schlange kroatischer Straßendörfer. Nicht immer bin ich mir bzgl. der Geschwindigkeitseinschränkungen und – aufhebungen sicher. Weiter dann nach Bosnien und Herzegowina, wo wir schließlich einen Baumarkt aufsuchen, um Waschbenzin, ein paar handverlesene Schrauben und eine Gemüseraspel zu kaufen. Ein hilfsbereiter Mitarbeiter spricht sehr gut Deutsch und ist begeistert von unserem Amigo und etwas ungläubige, ob er richtig verstehe, dass wir mit diesem Wohnmobil bis Australien fahren wollen…

In Bosnien und Herzegowina

Unterwegs halten wir an einem Hotel zwecks Übernachtung und Abendmahlzeit. Der Betreiber wuchs in Australien auf, lebte dann bis Kriegsausbruch in Bosnien und Herzegovina, wurde dann von seinen Eltern nach Hamburg geschickt, wo er mehrere Jahre in diversen Stellungen in der Gastronomie arbeitete. Es sind kurzweilige Gespräche mit ihm, die etliche Tipps zur Freizeitgestaltung beinhalten.

Am nächsten Tag baden wir in einem von einer warmen Quelle gespeisten See, ehe wir die Fahrt nach Sarajevo fortsetzen. Etliche Kilometer vor der Hauptstadt steuern wir einen gut geführten Campingplatz an.

Ein Zug bringt uns nach Sarajevo

Am nächsten Tag nutzen wir die Zugverbindung für die Besichtigung von Sarajevo. Eine quirlige, interessante Stadt begrüßt uns mit modernen Hochhäusern, Hotels und einem Einkaufszentrum. Nach einer halben Stunden Fußweg stehen wir in der Innenstadt mit vielen Cafes und Restaurants und einer sehr touristisch geprägten Altstadt. Entlang des Flusses Miljacka verlassen wir dann die Innenstadt wieder Richtung Bahnhof. In einem Café machen wir wegen der Hitze eine willkommene Pause. Der Zug fährt übrigens sehr pünktlich ab und erreicht nach drei Stationen den Zielbahnhof. Wegen des kurzen Behelfsbahnsteigs können wir nur durch eine bestimmte Tür aussteigen.

Durch die Schluchten des Balkans

Am nächsten Morgen ent- und versorgen wir den Amigo mit Wasser und setzen die Fahrt durch die Schluchten des Balkans fort. Zu Beginn allerdings in einem Restaurant bei vier Cappuccino ein mühseliges Planen der neuen Route. Es wird eine ermüdende Fahrt, übers Gebirge, entlang einiger Bäche und durch unzählige Tunnel.

In Višegard „frühstücken“ wir dann endlich bei brütender Hitze im klimatisierten Amigo. 

Geduldsproben an den Grenzen

Der Grenzübertritt nach Serbien entwickelt sich dann erstmals zu einer Geduldsprobe. Eine Park4Night-Empfehlung führt uns auf einen kleinen Campingplatz bei Cuprija. Hier gibt es sehr gutes WLAN und Essen á la card, das von einem Restaurant angeliefert wird.

Am nächsten Tag passieren wir bei 39 Grad Celsius in Geduld die bulgarische Grenze und erreichen unseren nächsten Zielort am Batak-Stausee, wo das Baden verboten ist, aber selbst der Bootsverkehr nicht reglementiert wird.

Morgens geht‘s dann früh weiter. Stundenlanges Fahren durchs Gebirge ist reizvoll wegen der grandiosen Aussicht, zugleich aber auch ziemlich anstrengend wegen häufiger Schlaglöcher, enger Kurven und steiler Abfahrten. Auch an der bulgarisch-griechischen Grenze wird ausgiebig kontrolliert und so dauert auch hier der Grenzübertritt sehr lange

Von Griechenland rüber zur Türkei

Zwei Nächte bleiben wir dann in Asprovalta’s Beach, faulenzen, gehen schwimmen und arbeiten am Blog.

Unsere letzte Station vor Istanbul sollte ein Campingplatz bei Mürefte sein. Am Ziel angekommen, erwarten uns junge, engagierte Betreiber auf einem Naturcampingplatz. Freie Platzwahl. Wir stehen direkt am Meer. Eine fast familiäre Atmosphäre. Bei unserem Boule-Spiel haben wir Gelegenheit, nähere Bekanntschaft mit einem Bruder des Betreibers und seinem Sohn zu machen. Dessen Vater kam 1962 als einer der ersten Türken nach Hamburg und dolmetschte für die Polizei.

Etwas Schwund ist immer…

Übrigens sind die ersten Schäden zu beklagen – und keiner von uns ist sich einer Schuld bewusst! Alle Kunststoffscharniere unserer Campingstühle sind gerissen. Kabelbinder sorgen dann auf dem Campingplatz für unbeeinträchtigten Sitzkomfort. Nur ein Verstauen in unserem Amigo ist nun nicht mehr möglich. Wir dürfen sie auf dem Platz lassen.

Auch im Ort selbst begegnen uns ausschließlich freundliche, hilfsbereite Menschen. Dazu werdet ihr bestimmt in einem von Saradevis Blogbeiträgen  etwas gelesen haben…

Ich selbst bin in stillen Stunden peinlich berührt, wenn ich daran denke, mit wie vielen Vorbehalten und mit welcher Ablehnung wir Deutsche den ersten Türken gegenüber standen. Und nicht nur diesen, sondern auch den anderen sogenannten Gastarbeitern und später den vielen Flüchtlingen und Asylbewerbern.

Auf dem Weg nach Istanbul finden wir mit Googles Hilfe einen Outdoorladen, der die für uns richtigen Stühle und sogar einen neuen, platzsparenderen Tisch anbieten kann. Und auch diesen Laden hätten wir auf den letzten Metern nicht ohne die Fürsorge eines türkischen Arbeiters gefunden.

Ankunft am Treffpunkt in Istanbul

Die Fahrt durch Istanbul zum vereinbarten Treffpunkt mit den anderen Reiseteilnehmenden ist mal wieder stressig, ewige Staus, ruppige Fahrweise und ein höhenbegrenzter Tunnel fordern uns noch einmal sehr. Belohnt werden wir anfangs allerdings schon mit einem atemberaubenden Ausblick auf die Skyline von Istanbul. Diese 15 Millionenmetropole misst 100 km in der Länge und 50 km in der Breite. Und wie wir später feststellen konnten: diese Stadt schläft nie!

Manfred
Istanbul, 02.08.2022

Wir freuen uns auf den Austausch mit dir...

Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. Christoph Will

    Danke, dass wir an der Reise durch Euch „teilnehmen“ können. Wir sind gespannt.

      1. Christoph Will

        Wir hatten geplant, diese Reise mitzufahren, mussten aber leider auf nächstes Jahr verschieben. Als gelegentliche Langzeitwohnmobil-Reisende führen wir selbst einen Blog und informieren uns gerne über die Erfahrungen anderer. Eurer gefällt uns sehr gut. Welche Software nutzt Ihr?
        Gestern haben wir leider erfahren müssen, dass die nächste Reise auf 2024/25 verschoben wurde. Bisher gibt es keine Erklärung von AO. Um so mehr freuen wir uns auf Eure Erlebnisse.

        1. saradevi

          Oh, das ist wirklich ärgerlich. Wir haben den Eindruck, dass Corona und der Krieg eine Menge Bewegung in die Strukturen und die Teams der Reiseanbieter gebracht hat.
          Wir nutzen WordPress. Das Layout habe ich selbst entwickelt.
          Wir freuen uns, dass ihr uns digital begleitet. Wie lautet der Pfad zu eurem Blog?
          Liebe Grüße aus Georgien
          sama

          1. Christoph Will

            Hallo sama. Ich hatte auf Deine Zeilen
            geantwortet. Ist die Antwort angekommen?
            Christoph

          2. saradevi

            Lieber Christoph,
            leider nicht. Ich hatte mal geschaut, ob du geantwortet hast, weil es mich interessierte – habe aber nichts gefunden.
            LG aus Armenien
            sama

          3. Christoph Will

            Hallo sama,

            Also nochmals danke für die Infos.
            Hier unsere blog-adresse: https://wimoumdiewelt.blogspot.com/?m=0
            Wir berichten in einem etwas anderen Format. Die Beiträge sind unter der jeweiligen Zeitraum von unten nach oben geordnet.

            Wir haben offensichtlich einige gemeinsame Reiseerfahrungen?!
            Viel Spaß beim Stöbern wenn Ihr denn Zeit findet. Es geht ja recht schnell voran bei Eurer Reise. Wie passt das zu Eurem gewohnten Rhythmus?

            Liebe Grüße aus Verona.

            Christoph