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4. Etappe: Alabama bis Houston, 15.-26. Dezember 2019

Wertschätzung für das Hier und Jetzt entwickeln – 7Mind Impuls (KW 50)

Genaugenommen leben sehr
wenige Menschen in der Gegenwart;
die meisten bereiten sich vor,
demnächst zu leben.

Jonathan Swift

Mir ist in der letzten Woche bewusst geworden, wie unterstützend das Reisen dabei ist, im Hier und Jetzt zu sein. Ein ganz wertvoller Nebeneffekt.

Der Autopilot macht Urlaub

Es gibt nicht viele Situationen und Abläufe, die auf dem sama:trail gleich sind. Sicher haben wir während unserer Zeit des Unterwegsseins auch Routinen ausgebildet. Aber diese müssen wir täglich an die neuen Gegebenheiten anpassen.

Das fängt schon damit an, dass es nichts gibt, das immer an der selben Stelle steht. Zudem holen wir ganz bewusst nur das heraus, was wir gerade benötigen – für alles andere ist kein Platz.
Dann steht der Amigo fast jeden Tag woanders, der Untergrund ist ein anderer, das Gefälle different. Toiletten bzw. Duschen sind  in unterschiedlicher Reichweite und funktionieren immer wieder anders. Die Liste ließe sich, analog zum Tagesablauf, beliebig fortsetzen.

Von daher gibt es wenig, was ich automatisch mache, weil ich es immer schon so gemacht habe. Mein Autopilot macht also oft Urlaub in diesem Jahr.

Neugierde und Entdeckergeist

Hinzu kommen die vielfältigen Eindrücke. Es gibt so viele interessante Menschen und Situationen, schöne/unterschiedliche Landschaften, Pflanzen und Tiere, die alle mein Interesse auf sich ziehen. Es gibt so Vieles zu entdecken und zu erforschen, so dass viel weniger Zeit als zuhause bleibt, um Pläne zu schmieden und mit den Gedanken davonzugehen.Klar kommt es auch vor, dass Manfred sagt, hast du dies oder das gesehen und ich sage: „Nein, ich war wohl in Gedanken woanders.“ Aber dies ist sehr viel seltener als zu Hause. Dort klinke ich mich viel häufiger aus, weil ich meine, die Gegend zu kennen. Dass dies ein Trugschluss ist, weiß ich. Aber mein Hirn gaukelt mir das vor und ich falle schneller darauf herein.

Wieviel Vorbereitung ist nötig?

Hier auf dem sama:trail bin ich einerseits glücklich, nicht schon zu wissen, wo ich morgen sein werde. Vieles, was wir machen, entwickelt sich aus dem Hier und Jetzt heraus. Andererseits gestalte ich gern und plane Dinge sehr genau, damit sie gelingen.

In den letzten Wochen habe ich etliche Vorbereitungen für einen Kurzurlaub getroffen und bin schließlich zu der Erkenntnis gekommen, dass mir das ganze Planen viel Zeit und Engerie geraubt hat. Und letztlich konnte ich nicht alles so vorbereiten, wie ich es gern gemacht hätte – einiges liegt einfach nicht in meiner Macht.

An diesen Tagen hatte ich das Gefühl, weniger gelebt zu haben. Ich war wie abgetaucht in die Planungswelt, so als wäre der Amigo eine Taucherglocke, die über mich gestülpt wurde. Von dem,  was um mich herum passiert ist, vom Wetter etc. habe ich in den Momenten nicht viel mitbekommen.

Wie ist es mit deinen Vorbereitungen für die Zukunft? Wieviel Raum nehmen sie ein?

Saradevi

Lafayette, 18.12.2019

PS: Das Bild entstand auf der Parade in New Orleans. Diese Band habe ich bestimmt eine Stunde tanzend begleitet und war ganz bei dem, was gerade um mich herum passierte und dem Rhythmus der Musik. Wenn ich auf der Hang oder Klarinette spiele, bin ich augenblicklich im Hier und Jetzt. Das genieße ich sehr – ein weiterer Grund, warum ich das Bild gewählt habe.

Wir freuen uns auf den Austausch mit dir...