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Nimm dir Zeit, deine Wunden zu lecken – 7Mind Impuls (KW 43)

Geduld ist ein Pflaster für alle Wunden.
Miguel de Cervantes

„Die Zeit heilt alle Wunden“ – ja, diese Erfahrung habe ich bereits gemacht. Jedoch kann Zeit hier eine durchaus längere Periode im Leben bedeuten und immer wieder auch schmerzhaft sein. 

In der vergangen Woche ist mir bewusst geworden, dass mich die Endphase meiner Arbeit im Bereich der Erziehungsstellenarbeit doch mehr verwundet hat, als mir lieb ist. Immer wieder mal kommen Erinnerungen hoch und mit ihnen auch Gefühle von Enttäuschung, Verletzung, Wut und Trauer. 

Parallel sind da auch jede Menge positive Erinnerungen verbunden mit Freude, Leichtigkeit und Unbeschwertheit – immerhin waren es fast 25 Jahre in diesem Bereich. Aber die stellen sich nicht so ungefragt ein bzw. daneben. Diese muss ich mir in den jeweiligen Situationen bewusst ins Gedächtnis rufen, um ins Gleichgewicht zu kommen – um sozusagen eine persönliche Friedenspfeife mit mir selbst zu rauchen. Es braucht wohl noch Zeit und auch meine Akzeptanz, um zuzulassen, dass es so gekommen und nicht mehr änderbar ist. Und: Es wird mir noch einige Zeit Geduld abverlangen, bis die Wunden heilen – wie gut, dass ich von Hause aus ein eher geduldiger Mensch bin!

Kürzlich hat Trudy Goodman auf Instagram Rilke zitiert, den ich sehr mag und von dem ich unten noch ein paar Zeilen zitiere. Da ich das deutsche Originalzitat nicht kenne, hier das englische Zitat: „No feeling is final.“ (Kein Gefühl ist endgültig.) Das ist eine sehr einfache und doch bedeutsame Tatsache, finde ich. Diese habe ich mir noch einmal in Erinnerung gerufen.

Und manchmal lassen sich große Schätze direkt neben den noch nicht verheilten Wunden finden. Ohne meine Kündigung der Verträge wäre diese Reise mit all den neuen und besonderen Erfahrungen bzw. Erlebnissen nicht möglich gewesen, hätte ich niemals darüber nachgedacht, wie es wäre ganz aufzuhören zu arbeiten.

Paradoxe Parallelität!

Shenandoah Nationalpark, 04.11.2019 

Saradevi

Wir freuen uns auf den Austausch mit dir...

Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. Ute

    Hallo, Ihr Lieben!

    Ein wunderschönes Gedicht. Danke dafür.
    Es passt zu meinem Tag.

    Wenn ich in die Löwenzahnvilla gehe in die Gruppe, unters Dach, denke ich immer an euch oder über diese Zeit nach.
    Ich fremdel mit diesen Treffen, es fühlt sich nicht wie eine Gruppe an. Nur Rainer ist noch da, der seine Beiträge wie eh und je lächelnd beginnt mit : „unser Philipp“.

    Versagensgefühle, die sich in mir bewegen, ob dieses rothaarigen Kindes, haben dort wohl den falschen Platz.
    Vor 23 Jahren ist sie bei uns eingezogen, wird jetzt 28 und wünscht sich von uns einen Wäscheständer.
    Ich nehme das mal als Einladung zur Geburtstagsfeier.

    Freude, Glück – Trauer, Enttäuschung, Beziehungslosigkeit. Alles ist dabei.

    Grüße aus dem verregneten Ob

    Ute

    1. saradevi

      Liebe Ute,

      alles hat seine Zeit. „Die Gruppe“ ist Geschichte und ist es ja auch schon länger nicht mehr gewesen.
      Viele der ersten ERST sind ja in den letzten Jahren / Monaten ausgeschieden. In etlichen anderen Gruppen hat es vormals solche Veränderungen gegeben und vielen ist es so ergangen wie dir und uns Beratern dann jeweils sicher auch.

      Vielleicht kannst du für eine selbst geleitete Gruppe der Oldies werben, in der Themen um Ehemalige Platz finden. Ich glaube, dass es da Bedarf gibt und du mit dem Potpourri an Gefühlen sicher nicht alleine stehst.

      Mein Gott, so lange ist das schon her? Ich kann mich noch an unseren ersten Termin mit der Kollegin in der Landeshauptstadt erinnern, dann hat Manfred übernommen… Ein Wäscheständer ist doch eine gute Gelegenheit den Kontakt wieder aufzunehmen… sozusagen der Wink mit dem Wäscheständer ;))

      Sind in den letzten zwei Tagen 1000 km gefahren und dem Süden ein ganzes Stück näher gekommen. Bei Ankunft und Sonnenuntergang um 17.30 Uhr hatten wir noch 21 Grad und ich nach fünf Minuten die ersten sieben Mückenstückstiche… drauf war ich nicht vorbereitet!

      Liebe Grüße
      Saradevi

  2. Ursula Wiehe-Surma

    Hallo ihr zwei Ausreißer…
    wir grüßen euch ganz herzlich aus der Kaiserstadt.
    Mit Begeisterung öffnen wir eure E-Mails da es immer so spannend ist wo ihr wohl gerade seit und was ihr so erlebt habt.
    Natürlich spielen Manfreds Fotos eine große Rolle…da bekommen wir Fernweh.
    In 45 Tagen geht es endlich wieder auf die “ Insel“…wir freuen uns !!!

    Euch beiden noch eine wunderbare Zeit,
    denn mit der Zeit wird die Zeit immer wichtiger.

    Uschi & Micha

    1. saradevi

      Liebe Grüße aus Georgia ihr zwei!
      Wir freuen uns, dass ihr mit uns auf Reisen geht! Mafreds Fotos sind wirklich klasse. Er hat einen tollen Blicks für’s Detail.
      Lasst euch gesagt sein: 45 Tage sind nichts… wir sind ja jetzt schon mehr als 50 unterwegs und ich sehe uns noch am Mittwoch vor unserer Abreise bei Paul sitzen, als wäre es gestern gewesen.
      Ja, die Zeit sollten wir alle nutzen – sie wird in der Tat immer bedeutsamer.
      Saradevi

  3. Doris und Günter

    Hallo Sabine,
    „Die Zeit heilt alle Wunden“ ist ein Sprichwort, welches viel Wahrheit in sich verbirgt. Es sind aber nicht Stichwunden oder Hautabschürfungen äußerlich zu sehen. Gemeint sind die Wunden an Herz und Seele. Und wir haben mitbekommen, die Enttäuschung und Trauer und auch die Wut es nicht zum Guten wenden zu können. Es war doch bald dein ganzes Arbeitsleben, dein ganzes „Ich“, halt dein Lebensinhalt. Du hast einen Schlussstrich gezogen, aber konntest du ganz loslassen?

    Der ziemlich radikale Schnitt brachte dir neue Möglichkeiten, neue Perspektiven. Gern haben wir gelesen, dass du jetzt die Geschäfte ansteuerst, die Friedenspfeifen verkaufen. Wir wünschen dir und Manfred, dass auf dem Trail durch Nordamerika die Zeit hilft, die geschundene Seele zu gesunden.


    Liebe Grüße Oldies

    1. saradevi

      Lieben Dank für eure mitfühlenden Worte!
      Ich übe mich im Loslassen und bin sicher, dass mir das auch gelingen wird.
      Wie schön, dass es euch gibt!

  4. Ute

    Hallo Sabine,

    21 Grad klingt verlockend. aber der Walmartparkplatz scheint ja mitten im Sumpfgebiet zu liegen.

    Wir haben schon wieder Kontakt. Hatte einen platten Reifen, den ersten nach wahrscheinlich 30 Jahren und zeitgleich ziemlich viel Erkältung. Habe sie angerufen: Ich brauche dich grad mal ganz dringend. Sie kam und hat im Handumdrehen den Reifen gewechselt. Ich wäre doch schon an unseren maroden Radkappen gescheitert.
    Die andere kam auch und hat unser Pfazkind bespaßt.
    So kann es auch sein.

    Ich werde über die Oldie-Gruppe nachdenken.

    Liebe Grüße aus dem kalten Oberhausen
    17:30 schon ganz dunkel und 5 Grad

    Ute