Mein letzter Beitrag ist schon ein paar Tage alt. Meine Beiträge formuliere ich mehr oder weniger im Kopf und setze mich dann nur noch hin und tippe sie runter. Zwei Beiträge waren auch schon fertig, einer über die Zutaten für den optimalen Ort, um jetzt einfach zu sein und der andere über unseren Umgang mit der Natur. 

An dem Tag, an dem ich sie schreiben wollte, kamen wir aus der Wüste und hatten erstmals nach drei Tagen wieder Internet und somit Zugang zu den Nachrichten. In jenen drei Tagen wurde Corona zur Pandemie erklärt, rief Donald Trump den Notstand aus und in der Heimat wurden endlich die von mir schon länger herbeigesehnten Maßnahmen wie Schulschließungen etc. umgesetzt. Als ich all diese Nachrichten zeitgleich wahrnahm, liefen erst mal die Tränen. Es folgte ein riesiger Wissensdurst. Ich hatte Nachholbedarf. 

Der Coronavirus-LiveTicker tickert Tag und Nacht

Meine Sorgen, Ängste und Befürchtungen bekomme ich am besten in den Griff, indem ich mich mit den Dingen beschäftige. Ich benötige ein Maß an Kontrolle, um für mich nach vorne schauen zu können und die nächsten Schritte zu planen.

So sitze ich nun seit sechs Tagen in jeder freien Minute und versuche etwas zu durchdringen, was nicht zu durchdringen ist, etwas zu kontrollieren, was sich meiner Kontrolle entzieht. Meine Gedanken rennen in alle Richtungen, ich komme kaum noch hinterher…

Wie ein Schwamm sauge ich alle Infos aus den unterschiedlichsten Medien auf und versuche das alles zu begreifen, zu verstehen und die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen.

Eine neue Wirklichkeit …

Seit fast zehn Tagen leben wir quasi wie in Quarantäne, vermeiden so gut es geht Kontakte, kochen ausschließlich selbst, unternehmen nur Radtouren oder Spaziergänge. Der einzige Außenkontakt ist der Einkauf im Supermarkt.

Was aber ist nun der beste Plan für die nächsten Monate? Reisen wir ab, bleiben wir hier und suchen uns ein Plätzchen, wo wir Corona quasi aussitzen? Seit Tagen wägen wir alle Pro’s und Contra’s ab. 

Niemand kann in die Zukunft gucken. Doch die Entwicklung der letzten Tage zeigt, dass das, was ich mir noch vor Wochen an Maßnahmen gewünscht hätte, nun schon überhaupt nicht mehr ausreicht. Meine Phantasien der letzten Wochen, was passieren wird, werden von der Realität täglich in den Schatten gestellt. In Italien und Spanien müssen Ärzte aus Mangel an medizinischer Ausrüstung entscheiden, wen sie versorgen und wen nicht. Dass es so kommen wird, hat Manfred schon vor zwei Wochen in seinen zugänglichen Informationsquellen gelesen. Aber es hörte sich noch so weit weg an. Das ist Horror pur. Als wenn all den Ärzten und Menschen in pflegerischen Berufen nicht schon genug abverlangt wird. Ich bin ihnen so dankbar.
Das Leben ist verrückt. Alles ist so unwirklich, wie in einem Traum oder Film. Es gibt Alltäglichkeiten, die sind wie immer und es gibt einen Teil, der alles verändert. Diese Parallelität ist für mich schwer (be)greifbar.

Und jetzt?

Ich würde mich als optimistische Realistin bezeichnen. Was also glaube ich, bringen die nächsten Wochen, wenn ich durch diese, meine Brille schaue?
Ich glaube, dass es zunehmend Einschränkungen geben wird und die Lage sich frühestens ab Spätsommer beruhigt. Bis dahin werden sich die getroffenen Maßnahmen immer wieder verändern. Vorausplanung ist somit nicht mehr möglich. In allen Ländern dieser Erde wird es zu großen gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Problemen und Folgen kommen. Ich wünsche mir von Herzen, dass es nicht zu den Unruhen und Übergriffen kommt, vor denen sich z.B. in den USA einige mit dem Kauf von Waffen wappnen wollen.

Selbstbestimmung versus Fremdbestimmung – wer bestimmt da über mein Leben?

Wir verfolgen sehr intensiv die deutschen Medien und die Schritte, die die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten der Bundesländer gehen. In diesem Zusammenhang gefällt mir Markus Söder im Moment am besten. Er ist in seinen Aussagen klar, bringt notwendige Unterstützungen zeitnah auf den Weg, schränkt ein, wenn er es für erforderlich hält, geht auch unbequeme Wege und redet nicht drum herum. Einige seiner KollegInnen antworten auf nicht gestellte Fragen, weichen aus oder scheinen im Wahlkampfmodus zu sein. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich dazu mal äußern würde, aber mir ist nicht egal, wer mich durch solche Krisen führt. Von daher bin ich auch dankbar, dass es nicht vor kurzem zu Neuwahlen kam und wir jemanden im Kanzleramt haben, der oder die noch ganz frisch im Amt ist. In diesen Zeiten zählen für mich Erfahrung, Netzwerk und Krisenmanagement.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten!

Hier in den USA schließen nach und nach verständlicherweise die State- und Nationalparks, Bars und Restaurants haben überwiegend schon geschlossen. In Kalifornien, wo wir uns gerade aufhalten, gibt es seit heute  Nacht eine Ausgangssperre. Die Situation ist der in Europa ähnlich, die Maßnahmen gleichen sich an. Wie bei uns die Länder, so reagieren hier die  Bundesstaaten alle unterschiedlich, je nach Ausbreitung des Virus. 

Reisen, so wie wir es mal geplant hatten, ist nicht mehr denkbar und bereitet im Moment auch keinen Spaß.

Wir beenden unsere Reise und kehren hoffentlich im April zurück

Um handlungsfähig zu bleiben und nicht irgendwann vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, haben wir heute entschieden, die Heimreise anzutreten. Das bedeutet für uns, dass wir innerhalb der nächsten zwei Wochen die ungefähr 5000 km bis zur Ostküste zurückfahren und unseren Amigo Mitte April nach Hamburg verschiffen. Hierfür muss er am 06. April im Hafen von Baltimore sein. Passagiere werden derzeit auf Frachtschiffen leider nicht mitgenommen. Wir werden also nach Deutschland zurück fliegen. Sobald wir die Buchungsbestätigung der Reederei haben, werden wir den Flug buchen. Aktuell gibt es noch Flüge, aber wer weiß, wie das in zwei Wochen aussieht?!

Bevor wir morgen die lange Tour antreten, werde ich gleich erst noch eine Maschine Wäsche machen. Heute Abend grillen wir noch einmal. Wer weiß, wo wir die nächsten Nächte stehen werden…

Wo tragen dich deine Gedanken derzeit hin? Was geht dir durch den Kopf? 

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