Lebenskunst ist, Problemen nicht auszuweichen, sondern daran zu wachsen.

Anaximander

Der 7Mind Impuls der zwölften Woche beschäftigt sich mit den sogenannten guten Ratschlägen und Motivationssprüchen. Wir empfangen sie täglich ungefragt auf unterschiedlichen Kanälen. Oft aber passen sie nicht zu unserer Lebenswirklichkeit, manchmal lenken sie uns gar von der Lösungsfindung ab. Sind sie also eher Schläge als Rat? 


Es wird vorgeschlagen, das Gegenüber zu bitten, keine Ratschläge zu erteilen, um sich besser auf die eigene Auseinandersetzung konzentrieren zu können.

Zudem wird geraten, sich im Verlaufe der Woche immer mal wieder durch eine kurze Meditation zu resetten, sprich das Gedankenkarussell anzuhalten.

Der Rat-schlag-Reflex

Mich beschäftigte zu Beginn der Woche lediglich die Frage, ob ich den im Online-Warenkorb gelegten Stoff kaufen sollte. Es handelte sich um eine größere Menge, mit der ich mein Vorhaben beginnen wollte, meine Kleidung selber zu nähen.

Ich war mir etwas unsicher, ob ich mir da nicht zu viel zumute – schließlich liegt der einzige Halb-Jahres-Nähkurs nun auch schon zehn Jahre zurück. Außerdem hätte ich den Stoff gerne nicht nur auf Bildern gesehen, sondern auch angefasst – aber der Laden, der die schönen Outdoor-Stoffe vertreibt, ist in Berlin und Dresden… und dann die Kosten.


Als ich Manfred von meiner Unschlüssigkeit erzählte, konnte ich ihn gar nicht mehr bitten, keinen Ratschlag zu erteilen. Wie aus der Pistole geschossen sagte er, dass ich den Stoff doch kaufen solle. Ich hätte Freude am Nähen und andere würden auch viel Geld für Hobbys ausgeben. Er kennt mein tagelanges Abwägen und die dahinter stehende Sparsamkeit.

Auch wenn der Ratschlag an dieser Stelle dazu geführt hat, dass ich mir den Ruck gegeben und auf die Bestelltaste gedrückt habe, so ist mir bewusst geworden, wie schnell und automatisch Ratschläge ausgesprochen werden.

Ist schnell auch gut?

Diese Szene habe ich zum Anlass genommen, mein Verhalten genauer zu beobachten und bin überrascht, wie schnell und reflexartig ich mit guten Ideen aufwarte und meinem Gegenüber schnelle Lösungen anbiete.

Natürlich meine ich es nur gut und will zu einer schnellen Lösung beitragen. Und je besser ich mein Gegenüber kenne, desto eher glaube ich, dass ich weiß, was gut für den anderen ist.

Aber ist das wirklich so? Und ist die Lösung das Ziel oder nicht viel mehr der Weg dorthin? Und um wessen Weg geht es hier eigentlich?

Ich habe mir vorgenommen, mich in der nächsten Zeit ein wenig mit Ratschlägen zurückzunehmen und somit mehr Raum für die Erörterung der Probleme und den Prozess des Findens zu lassen. Mal schauen, was passiert und ob ich das überhaupt durchhalten bzw. den Reflex abstellen kann.

Saradevi, 26.03.2021

PS: Kennst du den „Rat-schlag-Reflex“ von dir oder anderen? Magst du Ratschläge oder reagierst du allergisch auf sie?

Translate »